|
Rezension eines IT Freelancers (Mainframe Programmer) :
Der Titel ist leicht irrefuehrend und laesst ggf. einen Wirtschaftskrimi vermuten; zudem geht es nicht in erster Linie um die Verbindung zu oder die Verbindungen von Headhuntern untereinander, in der deutschen Presse bekannter als die zahlreichen Unternehmensberatungen und Personalvermittler im EDV-Bereich. Nur einmal wird relativ kurz die “Connection” eines solchen Unternehmens zu einem Headhunter angefuehrt, als eine Firma einen Menschen mit sehr speziellen Kenntnissen sucht und diesen ueber einen sogenannten “Kopfjaeger” findet.
Auf den meisten der 400 Seiten dieses Romans aus der EDV-Szene, der viel Hintergrundwissen zum Beruf verraet, geht es um die Arbeitsweise einer Unternehmensberatung, deren vornehmliche Aufgabe darin besteht, Firmen wie Banken und Versicherungen zusaetzliches Personal auf Zeit fuer grosse Aufgaben wie die Jahr-2000-Umstellung und die Euro-Einfuehrung in zahlenreichen Computerprogrammen zu vermitteln.
Aber Programmierer sind in den Jahren 1999 und 2000 duenn gesaet, weshalb man zweifelhafte Geschaeftsverbindungen zu Konkurrenten aufnehmen, einander Leute abwerben oder auch schon mal die Daten z.B. eines Russen “schoenen” muss, um die “gesuchten” Leute beim Kunden unterzubringen, worauf dann den Vermittlern eine dicke Provision winkt.
So erschoepfen sich denn auch weite Teile des Buches neben dem vermittelten Hintergrundwissen zum Beruf, das zum Teil in Nebenhandlungen eingebracht wird (so beraet z.B. ein Headhunter Studierende), mit dem Privatleben eines gut verdienenden Vertrieblers oder Menschenhaendlers, dessen Fahrten durch ganz Deutschland (inkl. love story) und zahlreichen (ggf. zu) detaillierten Essens- und Urlaubsbeschreibungen, die einem Bonvivant oder Yuppie zur Ehre gereicht haetten.
Am Ende wird es dann (unfreiwillig ?) komisch, wenn ein Clown von einem neuen Geschaeftsfuehrer ein erfolgreiches Unternehmen binnen kurzer Zeit voellig herunterwirtschaftet, wozu natuerlich auch die allgemeine wirtschaftliche Situation in Deutschland besonders nach den Terroranschlaegen des 11.September beitraegt.
Walter Beckers ist Insider der Szene und ehemaliger Programmierer, arbeitet selbst als Vertriebler bei Unternehmensberatungen. Schonungslos, aber auch stets mit einem Augenzwinkern erlaeutert er die Macken der am Marktgeschehen Beteiligten und ihre kleinen Berufstricks. Stilistisch und in Bezug auf den Aufbau seines Erstlingswerks haette er noch einigen tun sollen: Viele belang- bzw. ziellosen Zwischenbemerkungen und -handlungen halten die eigentliche Romanhandlung mit ihren zwei Hauptstraengen (Arbeit und Niedergang der Firma, sich entwickelnde Beziehung zwischen Axel und Iljana) auf, hier waere weniger mehr gewesen. Dafuer haetten z.B. mehr Absaetze zum besseren Seitenaufbau beigetragen. Hier laeuft oft ein Absatz ohne Stop oder erkennbare Sinnabschnitte ueber die ganze oder gar mehrere Seiten, worin Beckers einem anderen Vertreter der schreibenden Zunft vom Niederrhein gleicht: Hanns Dieter Huesch.
M.V.
|