|
Auszug aus dem Eintrag "Autoren in Moenchengladbach" www.moenchengladbach.de
Mit seinem ersten Roman Die Headhunter Connection hat Walter Beckers in hervorragender Weise das Kunststück vollbracht, ein urspruenglich als Lehrbuch geplantes Werk zu einem spannenden Roman fortzuentwickeln. Beilaeufig verschafft das Buch eingebettet in einer lebendigen Szenenfolge dem Leser Einblick in einen Zweig der modernen Dienstleistungswirtschaft, der den meisten unbekannt sein duerfte. Nahezu unbemerkt von der Oeffentlichkeit werden in speziellen Unternehmensberatungen IT-Fachleute als Freiberufler oder als eigene Angestellte an andere Unternehmen voruebergehend für die Erledigung bestimmter Projekte der Informationstechnik ausgeliehen. Der Autor beschreibt dabei den rasanten Aufstieg einer kleinen prosperierenden IT-Consulting-Firma und deren spaeteren Fall als Folge verfehlter Geschaeftspolitik. Er laesst den Leser an dem stressreichen Beruf eines IT-Vermittlers teilhaben,wobei aber die einfuehlsame Darstellung der persoenlichen Schicksale von Menschen in seinem beruflichen und privaten Umfeld nicht zu kurz kommt.
In der Szene wird dieses Ausleihgeschaeft auch als Bodyleasing bezeichnet. Ob man dieses Geschaeft als eine moderne Variante des Sklavenhandels bezeichnen kann, sollte der Leser selbst beurteilen.
Walter Beckers hat feste Plaene für seine literarische Arbeit in der Zukunft. Auf seinen naechsten Roman darf man gespannt sein.
Leseprobe
Leseproben aus dem Roman Die Headhunter Connection, Seiten 173-174 u. 312-313
Auf dem Weg dorthin erfahre ich noch einiges über so manchen Schriftsteller, der hier durch die Lande zog und sein Publikum fand. Iljana kann wie ein Buch sprechen, wenn sie ueber ihre vergangenen Jahre und den damaligen Zeitgeist mit ihren Literaten, Politikern und sonstigen Kuenstlern nachdenkt. Wir ueberqueren eine weitere Straße und hoeren bereits die Klaenge der Band, als die Tuer geoeffnet wird und zwei junge Paerchen das Lokal betreten. Augenblicke spaeter stehen wir vor der Tuer. Waehrend ich die Tür oeffne, vernehmen wir ein Stueck von Hannes Wader. Im Anschluss daran die unverkennbare Art eines Liedes von Reinhard Mey. Die Kneipe ist bereits ziemlich voll. Am Schanktisch vorne links finden wir zwei Stehplaetze. Wir gehen hinueber und bestellen zwei Schwarzbier. Das anwesende Publikum ist bunt gemischt. Studenten, Schueler und einige aeltere Semester wie ich sind darunter. Bei dem vorgetragenen Lied oder Sprechgesang ist es relativ still in diesem Pub. Die Leute scheinen aufmerksam zuzuhoeren. Man unterhaelt sich fast im Fluesterton. Am Ende der ersten Darbietung applaudieren alle. Dazwischen kommen einige Pfiffe der Anerkennung, soweit ich das zu deuten vermag. Auf der Buehne verneigen sich drei junge Herren und eine etwas ausgeflippt aussehende noch juengere Dame. Der Bandleader stellt die Gruppe auf eine etwas improvisierte Weise vor, waehrend das Publikum jedem Kuenstler eine Portion Beifall zukommen laesst. Es sieht fuer einen Moment nach einer kurzen Gitarreneinstimmung aus, dann folgt das naechste Stueck. Die Rockklaenge sind mir unbekannt. Iljana bemerkt es und sagt: Das muesstest du eigentlich kennen, es ist eines der bekannteren Stuecke der Puhdys. Die Scheiben wurden auch im Westen gehandelt. Leider kenne ich nicht jedes Stück, auch den Namen dieser Gruppe hoere ich zum ersten Mal. Iljana erklärt mir, dass ungefähr Ende der 50er-Jahre eine Anordnung erlassen wurde, wonach mindestens 60 Prozent der im Rundfunk gespielten Musik aus den Ostblockstaaten sein musste. Da Cover-Produktionen nicht erlaubt waren, sahen sich die jungen Musiker gezwungen, eigene Schoepfungen hervorzubringen. Das fuehrte schließlich zu einem eigenen Musikstil, der sich deutlich von den im Westen produzierten Stuecken unterschied. ...
Inzwischen bedienen wir uns mit Kaffee. Die groesste Ungewissheit ist gewichen. Wir wissen, dass es erst einmal so wie bisher weitergeht. Den neuen Cef werden wir gleich zu Gesicht bekommen. Es ist auch für jeden nachvollziehbar, das Max kuenftig andere Prioritaeten für sein weiteres Leben verfolgen moechte. Manche von uns haben wahrscheinlich den gleichen Gedanken wie ich. Zu welchem Preis hat Max die Firma verkauft? Nach etwa zehn Minuten betreten beide Herren den Raum. Guten Tag, meine Damen und Herren, grueßt Herr Meiser. Ich darf euch Herrn Meiser als neuen Inhaber und Geschaeftsfuehrer vorstellen. Herr Meiser, bitte! Herr Luck hat Ihnen bereits die Neuigkeiten mitgeteilt. Wir werden uns in den naechsten Tagen naeher kennen lernen. Ich bin davon ueberzeugt, dass wir gut miteinander zurechtkommen werden. Wie ich von Ihrem Chef erfahren habe, uebernehme ich eine erfolgreiche Mannschaft mit einem ausgepraegten Teamgeist. Genau das brauchen wir, um weiterhin am Ball zu bleiben. Nun zu mir. Seit rund zehn Jahren bin ich im IT-Geschäft taetig. Zuvor war ich laengere Zeit bei einem Chemieunternehmen angestellt. In den letzten sieben Jahren war ich in der Geschaeftsfuehrung zweier Unternehmen. Wir haben Produkte fuer die Medizintechnik hergestellt und verkauft. Meine Kunden waren vor allem Kliniken, Forschungseinrichtungen und Aerzte. Ich kenne die Vertriebstaetigkeit aus eigener Erfahrung und kann daher auch Ihre Arbeit sehr gut nachvollziehen. Sie haben in mir nicht nur einen neuen Chef, sondern auch einen Partner, der Sie unterstuetzen moechte. Nehmen Sie dieses Angebot bitte ernst. Ich freue mich ueber eine gute Zusammenarbeit und moechte auf Ihre Fragen gerne gleich antworten bitte. Welche Fragen stellt man dem Neuen? Ihn mit kritischen Fragen provozieren, sollte man tunlichst vermeiden. Im Vergleich zu Max ist er eine sehr schlanke und dynamisch wirkende Person Anfang 40. Volles glatt gekaemmtes Haar, Brillentraeger, vielleicht 1,80 m groß mit blasser Gesichtsfarbe. Er macht auf mich einen etwas nervoesen Eindruck, der vielleicht mit Lampenfieber vergleichbar ist. Heike kennt keine Hemmungen. Werden wir unser Geschaeft so wie bisher weiterfuehren oder bringen Sie neue Plaene mit? Eine gute Frage, ha, ha. Erst einmal lassen wir alles so, wie es ist. Ich habe vor, das Unternehmen weiter zu vergroessern, indem wir noch mehr Berater unter Vertrag bringen. Auch moechte ich den Produktvertrieb als neuen Bereich dazunehmen. Das werden ausgesuchte Hard- und Softwareprodukte sein. Wieder ein Moment der Stille, die von Max unterbrochen wird. Ja, wie ihr seht, ist Herr Meiser jemand, dem ich ruhigen Gewissens die Geschicke des Unternehmens ueberlassen darf. Ich wuensche, dass ihr Herrn Meiser mit aller Kraft bei der Verwirklichung seiner Ziele unterstuetzen werdet. Ihnen, Herr Meiser, wuensche ich weiterhin sehr viel Erfolg! Er drueckt ihm mit ausdrucksstarker Gestik die Hand, dann verlassen beide den Besprechungsraum. Wir bleiben noch einige Minuten zusammen. Ob er uns auch das Du anbietet?, fragt Heike. Er sieht eher etwas konservativ aus, vielleicht taeusche ich mich auch, antworte ich. ...
|